Prof. Dr. H. Bobzin
 
 

Gegenstand der Islamwissenschaft ist die islamische Kultur, die sich seit dem 7. Jahrhundert von der arabischen Halbinsel aus über weite Teile Asiens und Afrikas ausgebreitet hat. Die Islamwissenschaft beschäftigt sich mit allen relevanten Aspekten dieser Kultur, zunächst natürlich mit der Religion des Islam, doch ebensosehr mit Literatur, Wissenschaft, Kunst, Geschichte und Lebensformen in der islamischen Welt. Die Islamwissenschaft ist damit eher eine umfassende Kulturwissenschaft als eine Religionswissenschaft im engeren Sinn. Da sich die islamische Kultur über einen Zeitraum von rund eineinhalb Jahrtausenden entfaltet hat und über einen geographischen Raum von Marokko bis Indonesien ausgebreitet hat, kann im Studium naturgemäß nur ein kleiner Ausschnitt behandelt werden.

Zu den wesentlichen Inhalten des islamwissenschaftlichen Studiums, wie es in Erlangen angeboten wird, gehört die Beschäftigung mit dem Schrifttum der klassischen islamischen Kultur. Zu nennen sind zunächst der Koran und die Werke der klassischen islamischen Koranwissenschaft sowie der Hadith, d.h. die Überlieferungen vom Propheten Muhammad, die ebenso wie der Koran normative Kraft haben. Weitere zentrale Gebiete, die sowohl für die klassische islamische Kultur konstitutiv als auch für die Gegenwart besonders relevant sind, sind das islamische Recht, die islamische Theologie, die islamische Mystik (der Sufismus), die klassische arabische Literatur und die arabische Sprachwissenschaft sowie die Werke der arabischen Geschichtsschreibung und Geographie. Neben der Beschäftigung mit dem klassischen Schrifttum, dessen Kenntnis auch für das Verständnis der Gegenwart unverzichtbar ist, beschäftigt sich die Islamwissenschaft auch mit den islamischen Schriften der Gegenwart und mit der modernen arabischen Sprache und Literatur.

Das Studium beginnt mit dem Erlernen der arabischen Sprache, d.h. der modernen arabischen Schriftsprache, die im wesentlichen mit dem klassischen Arabisch, also der Sprache des Koran, des traditionellen islamischen Schrifttums und der klassischen Literatur identisch ist. Bis zur Zwischenprüfung (in der Regel im 4. Semester) müssen noch mindestens zwei Proseminare aus verschiedenen Themenbereichen besucht werden. Eines davon sollte die regelmäßig stattfindende Veranstaltung "Einführung in die Islamwissenschaft" sein. Nach der Zwischenprüfung besteht die Möglichkeit zum Besuch von Hauptseminaren. Da die Zahl der in der Prüfungsordnung vorgeschriebenen Hauptseminare (zwei im Hauptfach, eines im Nebenfach) nicht ausreicht, umfassendere Kenntnisse über das gesamte Spektrum zu vermitteln, wird den Studierenden empfohlen, von den angebotenen Veranstaltungen reichlichen Gebrauch zu machen. Im Hauptfach muß noch eine zweite Islamsprache erlernt werden, und zwar entweder Persisch oder Türkisch.